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Sybille Schrödter / Die Lebküchnerin

Sex, Lies und Lebkuchen

In ihrem Erstling "Die Lebküchnerin" schildert Sybille Schrödter das Leben der jungen Nonne Benedicta - es ist aber auch die Geschichte der ersten weiblichen Lebkuchenbäckerin, so wie sie sich (der Autorin zufolge) abgespielt haben könnte.

Nach dem Tode ihres Vaters wird die junge Frau von ihrer Stiefmutter in ein Kloster geschickt. Benedicta fühlt sich hinter dort hinter den dicken Mauern gefangen, mit dem klösterlichen Leben in Stille und Demut weiß sie nichts anzufangen. Benedicta ist eine kluge, aufgeweckte junge Frau, die gerne (und manchmal zu vorlaut) ihre Meinung kundtut. Dennoch scheint die Oberin sie zu mögen. Ihre einzige treue Freundin hat Benedicta in der Köchin Agnes gefunden, einer Waise, zu der sie sich auch durch deren Lebensgeschichte verbunden fühlt. Gemeinsam backen die beiden Lebkuchen für das Kloster, denn Backen ist Benedictas große Leidenschaft - so weit der Einstieg in die Handlung.

Nun geschieht, was geschehen muss: Benedicta verliebt sich in einen jungen Rittmeister, der zu allem Überfluss der Neffe der Oberin ist. Von einer neidischen Mitschwester werden die beiden bei einem geheimen Treffen im Klostergarten und ihrem ersten zarten Kuss beobachtet. Zusammen mit Agnes flieht das junge Paar, doch der junge Rittmeister Julian muss unterwegs schwer verletzt zurückbleiben. Die beiden Freundinnen schlagen sich fortan allein nach Nürnberg zu Agnes Verlobten durch und gehen ihm in seiner Backstube zur Hand. Doch sie werden nicht nur freundlich empfangen....

Nachdem die Handlung etwas schleppend begonnen hat, gewinnt die Geschichte im weiteren Verlauf an Tempo. Die Schilderungen Nürnbergs und des Lebkuchenbackens sind schön und atmosphärisch. Man erkennt, dass die Autorin gut recherchiert hat, wenn man selbst einmal in der Stadt an der Pegnitz gewesen ist. Auch die Figuren werden immer plastischer und möchte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

An einigen Stellen hat die Autorin es - meiner Meinung nach - aber mit den Geschehnissen übertrieben: zu viel Intrige, Familiengeheimnisse und Mordanschläge tun einer Geschichte kein Gutes. Oder, um es mit den Worten meines Literarurprofessors zu sagen: In diesem Roman wird entschieden gestorben! Am Ende steht dennoch ein geradezu märchenhaftes Happy End, das gar nicht so recht zum Rest der Geschichte passen will.

"Die Lebküchnerin" ist solide Unterhaltung für Liebhaber historischer Romane - am besten zu lesen bei kaltem Winterwetter, in einem gemütlichen Ohrensessel - bei heißem Tee und (wie sollte es anders sein) Lebkuchen.

31.10.09 18:38


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Ann Pearlman / Der Christmas Cookie Club

Starke Frauen 

Der Christmas Cookie Club, das sind 12 Frauen, die sich einmal im Jahr treffen, um miteinander zu reden, sich zu trösten und Halt zu geben, aber natürlich auch, um ihre Plätzchen auszutauschen. Erzählt wird die Geschichte aus Marnies Perspektive. Bei ihr treffen sich die Frauen immer am ersten Montag im Dezember. Jede dieser Frauen hat ihr eigenes Schicksal, ihre eigene Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird.

Das ist einmal Marnie mit ihren beiden Töchtern, von denen die eine ungewollt schwanger ist, während die andere seit 3 Jahren verzweifelt versucht, schwanger zu werden. Marnie selbst hat seit dem Tod ihres ersten Mannes nie wieder einem Mann gesagt, dass sie ihn liebt. Dabei könnte mit dem 15 Jahre jüngeren Jim jetzt alles anders werden. Nach und nach treffen die Frauen ein und wir lernen immer mehr wunderbare, starke Frauen kennen. Zum Beispiel Marnies beste Freundin Charlene, die vor 7 Monaten ihren Sohn bei einem tragischen Unfall verloren hat und sich gerade am Anfang auf ihrem Weg zurück ins Leben befindet.

Jeden Kapitel geht das Rezept der Cookies voraus, die die jeweilige Frau für den Club gebacken hat - das lädt zum Nachbacken ein. Überhaupt hat man beim Lesen einen leichten Duft von Zimt in der Nase. Man möchte ich die Küche stürmen und losbacken, während draußen vor dem Fenster die Schneeflocken leise fallen. Auch die jedem Kapitel nachgestellte Episode zu einer bestimmten Zutat wie Mehl oder Mandeln tragen dazu bei.

Der Christmas Cookie Club ist mehr als nur ein Frauenroman über backende Hausfrauen. Es ist ein Buch über 12 starke Frauen, die füreinander da sind, sich gegenseitig stützen. Man ist neugierig auf die Frauen, die einem noch auf den folgenden Seiten begegnen werden, auf ihre ganz persönlichen Geschichten - und natürlich auch auf die Rezepte

6.10.09 11:07


Sybille Schrödter / Die Lebküchnerin

 Ein Roman für Naschkatzen

Benedicta wird als 12-jähriges Mädchen nach dem Todes ihres Vaters von der verhassten Stiefmutter in ein Kloster gegeben. So weit hört sich die Geschichte wie der Anfang eines typischen Märchens an, doch dann entwickelt sie die Geschichte in eine neue Richtung. Benedicta ist inzwischen eine junge Frau geworden und fühlt sich in der Klosterwelt zunehmend unwohler. Es fällt ihr schwer, den Glauben an Gott streng zu leben und Dinge hinzunehmen, ohne sie zu hinterfragen. Ihre einzige wirkliche Freundin hat sie in der Klosterköchin Agnes gefunden. Mit ihr teilt sie auch die Liebe zum Kochen und Backen, ganz speziell zu Lebkuchen.

Benedictas Vorgeschichte ist nur sehr kurz gehalten und es bleibt zu hoffen, dass ihre Person noch etwas näher beschrieben wird. Sie wirkt noch etwas flach, man weiß noch nicht genau, wen man vor sich hat. Das Thema macht allerdings neugierig. Nürnberg ist eine sehr schöne Stadt mit einer spannenden Vergangenheit und es ist schön, mal einen Roman zu lesen, der hier spielt. Und welches Thema könnte da besser geeignet sein, als die Lebkuchen?!

Schade, dass die Leseprobe schon an einem so frühen Punkt der Geschichte endet. Ich war sehr gespannt auf die Beschreibungen des Lebkuchenbackens, gerade zur Weihnachtszeit ist dieses Buch sicher eines, dass man gerne im Sessel, in eine Decke gehüllt mit einer Tasse Kakao liest.

6.10.09 11:06


Dan Wells / Ich bin kein Serienkiller

 Killer oder nicht Killer, das ist hier die Frage!

John Cleaver ist nicht wie andere Teenager. Während "normale" Jungs in seinem Alter sich für Mädchen, Drogen und Autos interessieren, zieht ihn das Verbrechen magisch an. Von sich selbst sagt er: Ich bin ein Soziopath. So präsentiert sich uns der Ich-Erzähler von Dan Wells Erstling "Ich bin kein Serienkiller".

Ob der Titel für bare Münze genommen werden kann, ist von Anfang an unklar. So scheint sich John, dessen Mutter Bestatterin ist, allzu sehr für den neuesten Serienkiller der Stadt zu interessieren. Er ist schon fast besessen von dem Drang, den Täter zu durchschauen, seine Taten nachzuvollziehen. Schließlich übertreibt er es mit seiner morbiden Neugier so sehr, dass ihm seine Mutter für die Zukunft verbietet, mit ihr zusammen an den Leichen zu arbeiten.

Das Buch scheint jedoch durchaus seine humorvollen Seiten zu haben und erinnert an Serien wie Six Feet Under. So ergibt sich auf einer Halloween-Party eine herrlich groteske Szene zwischen John und einem verhassten Mitschüler. Diesem erzählt er nämlich, dass er ihm jedes Mal, wenn er ihn in Wahrheit gerne aufschlitzen würde, stattdessen etwas nettes sagt. Natürlich, nachdem er ihm nur wenige Augenblicke zuvor ein Kompliment für sein Kostüm gemacht hatte. Was von John todernst gemeint ist, wird von seinem Kumpel als grandiose Einschüchterungsstrategie verstanden und man muss beim Lesen einfach nur über die Situation grinsen.

Am Ende der Leseprobe bleibt die Spannung: wird John den Serienmörder finden oder hat er tatsächlich selbst etwas mit den Morden zu tun?

6.10.09 11:06


Jodi Picoult / Das Herz ihrer Tochter

"The Green Mile" für Picoult Fans 

June Nealon ist eine glückliche Frau. Nach dem Tod ihres ersten Mannes hat sie noch einmal die große Liebe gefunden, die nicht nur ihr selbst ein wunderbarer Ehemann, sondern auch ihrer Tochter Elisabeth ein treu sorgender Vater ist. Nun ist sie zum zweiten Mal schwanger - und genau das ist auch der Zeitpunkt, zu dem Shay Bourne in das Leben der kleinen Familie tritt. Ein junger, arbeitsloser Handwerker, den June bereitwillig in ihr Haus aufnimmt. Doch eines Tages kommt sie von einem Arzttermin nachhause zurück und findet eine Katatstrophe vor. Ihr Mann und ihre kleine Tochter sind tot, erschossen von Shay, dem man zu allem Überfluss noch Mißbrauch an der kleinen Elisabeth vorwirft. Shay Bourne wird daraufhin zum Tode verturteilt.

Elf Jahre später. Die kleine Claire Nealon ist inzwischen elf Jahre alt - und sie leidet an einer Herzerkrankung. Sie benötigt dringend ein Spenderherz und wer ist der einzige in Frage kommende Spender? Richtig: Shay Bourne, der noch immer in der Todeszelle sitzt. Das Problem ist nur, dass Shay eigentlich durch die Giftspritze sterben soll, die seine Organe nach der Hinrichtung für eine Transplantation unbrauchbar macht. Und so kämpft der Außenseiter vor Gericht um das Recht, durch den Strang hingerichtet zu werden. An seiner Seite die mollige Anwältin Maggie und der Seelsorger Father Michael, der vor elf Jahren Geschworener im Fall Shay Bourne war. So weit die Geschichte und bis dahin klingt sie auch noch nach der Jodi Picoult, die wir aus Romanen wie "Beim Leben meiner Schwester" kennen.

Doch nun wird das Ganze abstrus. In dem Gefängnis, in dem Shay einsitzt, geschehen auf einmal Wunder: Tote erwachen wieder zum Leben, aus den Wasserleitungen sprudelt Wein und ein einziges, winziges Stück Kaugummi reicht aus, um alle Häftlinge im Block zu versorgen. Mittendrin Shay, der mal wirr vor sich hin plappert, mal religiöse Weisheiten von sich gibt. Schließlich ist man sich sicher: Shay Bourne ist der neue Messias! Menschen pilgern vor das Gefängnis und wollen sich von ihm heilen oder segnen lassen. Hinweise gibt es ja viele: Shay ist 33 Jahre alt, Handwerker und vor seiner bevorstehenden Hinrichtung von allen verlassen. Father Michael findet heraus, dass die religiösen Sprüche tatsächlich aus den gnostischen Evangelien stammen, die Shay nie im Leben gelesen haben kann. Und natürlich der überaus kreative Name Isaiah Matthew Bourne ( I. M. Bourne oder auch I am born), der Father Michael in eine tiefe Glaubenskrise stürzt.

Laut Klappentext verspricht der neue Roman von Jodi Picoult "die Tiefen einer Mutter-Tochter-Beziehung" auszuloten. Davon kann aber mitnichten die Rede sein und man fragt sich, ob der Rezensent der Publishers Weekly wirklich denselben Roman in der Hand hatte. June und Clare Nealon haben sicherlich eine schwierige Beziehung, aber in der Darstellung ist keine Tiefe zu erkennen. Eine übervorsichtige Mutter, die Claire immerzu mit ihrer verstorbenen Tochter Elisabeth vergleicht und sogar verwechselt - und eine zickige, herzkranke Tochter, die nach Jahren des Kämpfens einfach nur sterben und nicht mit dem Herzen eines Mörders weiterleben will. Die beiden haben sich durch die Krankheit weit voneinander entfernt. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist tatsächlich nur ein Strang von vielen, wie der von Lucius, dem aidskranken Häftling, von Father Michael, der sich wegen seines "Ja" zur Todesstrafe vor elf Jahren schuldig fühlt und der von der Anwältin Maggie, die sich zu dick fühlt und mit einem Kaninchen namens Oliver zusammenhaust.

Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser noch viele Einzelheiten, über Shays Vergangenheit zum Beispiel und einige Verwirrungen lösen sich auf. Andere wiederum bleiben auch nach dem allzu vorhersehbaren Schluss bestehen und vor allem das letzte Kapitel ist an Lächerlichkeit kaum zu übertreffen. Dennoch haben am Ende alle, was sie sich wünschen: Claire Nealon ihr Herz und damit June Nealon ihre Tochter. Father Michael hat seinen religiösen Frieden und Maggie ihren Traumprinzen. Und Shay Bourne? Der durfte immerhin vollkommen selbstlos (wie unrealistisch!) sein Herz spenden und dafür in den Tod gehen, obwohl er in einem gewissen Sinn nicht mal ein Mörder ist. Wenn Jodi Picoult also mit dieser phantasielosen, von Stephen Kings "The Green Mile" abgekupferten Geschichte erreichen wollte, dass man über die Todesstrafe nachdenkt, dann hat sie das wohl erreicht. Mehr Erfolg kann ich ihr allerdings nicht zusprechen.

6.10.09 11:04


Jodi Picoult / Das Herz ihrer Tochter

Das Leben ist keine Gleichung 

June verliert bei einem Autounfall Ihren Ehemann. Ein Betrunkener drängt sie von der Straße ab, Jack - die Liebe ihres Lebens - stirbt. June und ihre kleine 2-jährige Tochter Elizabeth überleben. Der Polizist Kurt Nealon kümmert sich auch nach dem Unfall noch rührend um Mutter und Kind und so kommt es, wie es kommen muss: 5 Jahre später erwarten die beiden ein Baby.

Schließlich tritt Shay Bourne in das Leben der kleinen Familie. Er taucht eines Tages an der Tür der Nealons auf und bietet seine Dienste als Handwerker an. Dieser erste Teil der Geschichte wird von June erzählt.

Die Perspektive wechselt nun immer wieder zwischen June und Michael. Zu Beginn ist noch unklar, wer Michael eigentlich ist. Zunächst erfahren wir, dass ein Mord geschehen ist und erkennen an der Beschreibung, dass es sich bei den Opfern um Kurt und die kleine Elizabeth handelt. Beide wurden von Shay erschossen, als dieser von Kurt erwischt wurde, mit Elizabeths Unterwäsche in der Tasche. Das ist zumindest die Geschichte, die uns vorgesetzt wird. Wir erfahren nun auch, dass Michael Geschworener in Shays Mordprozeß ist.

Shay wird für schuldig befunden, spricht im Gerichtssaal auch kein einziges Mal. Nun haben die Geschworenen über die Strafe zu entscheiden und viele plädieren für die Todesstrafe. Michael stellt in einer Besprechung der Geschworenen eine Gleichung auf:

(A+B)-C=Strafmaß

Aber schon in diesem kurzen Ausschnitt erkennen wir, dass sich das Leben nicht einfach in eine Gleichung pressen lässt. June verliert ihre große Liebe und erhält dafür einen Ehemann, den ihre kleine Tochter vergöttert. Dennoch weiß June, dass sie nie wieder so lieben wird, wie zuvor. Sie fühlt sich sogar ein wenig fehl am Platz, in dieser neuen Familie. Shay hatte eine schlimme Kindheit, wurde von einer Pflegefamilie in die nächste geschickt. Dennoch kann das die schreckliche Tat, die er begangen hat, nicht aufwiegen - deshalb entschließen sich am Ende der Leseprobe alle Geschworenen für die Todesstrafe. Auch Michael, der bis zuletzt gezögert hatte.

Das Thema ist typisch für Jodi Picoult, ähnlich wie in 19 Minuten beschriebt sie die Hintergründe einer Bluttat. Die Sprache ist angenehm und anschaulich. Oft werden Details beschrieben, zum Beispiel, wenn Shay im Gerichtssaal offenbar eine Fliege erschlägt, sie aber dann doch in einer unerwarteten Sanftheit auf seiner Handfläche sitzen lässt.

Szenen wie diese sind es auch, die vermuten lassen, dass an dieser Geschichte (und an den Charakteren) mehr dran ist, als wir glauben. Der im Raum stehende Mißbrauch der kleinen Elizabeth bleibt ungeklärt und legt die Vermutung nahe, dass Shay nicht der einzige "Böse" in dieser Geschichte ist. Man wartet gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte!

25.8.09 14:49


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